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Kosovo fehlt das Geld
Mittwoch, den 10. März 2010 um 20:43 Uhr

Der serbische Dinar ist weg. Nur in einigen serbischen Enklaven wird er noch trotzig weiter verwendet. Nach dem Krieg wurde im Kosovo inoffiziell der Euro als Zahlungsmittel eingeführt. Es scheint als ob der Kosovo den in die EU strebenden Nachbarländern in Punkto Währung voraus ist - oder etwa doch nicht?



Die Verfassung des Kosovo schreibt in Artikel elf vor, dass als Zahlungsmittel nur eine Währung in Gebrauch ist - ohne diese zu benennen. In Abschnitt zwei desselben Artikels wird der Zentralbank des Kosovo die Unabhängigkeit zugesprochen und als Notenbank definiert. In einer freien Marktwirtschaft gilt, dass die Zentralbank durch seine Geldpolitik die Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsraum schafft, den sie mit Geld versorgt. Das heisst: Durch die Geldversorgung der Wirtschaft, werden Inflation und Deflation gesteuert und somit die Preisstabilität gewährt.

Kosovo ist seit zwei Jahren quasi unabhängig und zurzeit weder Mitglied der EU noch Mitglied der europäischen Währungsunion, für welche die sogenannten Maastrich-Richtlinien gelten. Diese schreiben fest, ab wann ein Land den Euro übernehmen kann. Wie ist es also möglich, dass Kosovo trotzdem den Euro als Zahlungsmittel verwendet?

Historisch betrachtet, treffen wir diese Konstellation in ehemaligen kolonialisierten Gebieten an, welche gezwungen waren, die Währung der Besatzer anzunehmen. Als sich die ehemaligen Kolonien Nordamerikas für unabhängig erklärten und Zölle erhoben, versuchten die britischen Kolonialisten, durch ein Verbot auf die Benutzung einer Währung, die Wirtschaft des angehenden Staates einzuschränken. Der britische Pfund wurde jedoch nicht akzeptiert und die USA führten nach Ausrufung der Unabhängigkeit den Dollar ein.

Es ist somit festzuhalten, dass die Entwicklung einer Volkswirtschaft in direktem Zusammenhang mit dem Recht auf eine eigene Währung steht. Im Kosovo können in diesem Sinne die der Zentralbank aufgetragenen Aufgaben nicht wahrgenommen werden, solange die Zentralbank nicht die Währungspolitik des Landes steuern kann. Weiter fehlen dem Staat die Einnahmen der Zentralbank, die diese aus der Zinspolitik der Geldversorgung erwirtschaften würde.

Die Regierung in Prishtina müsste also eine neue Währung für den neuen Staat schaffen, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Mit dem Euro als Zahlungsmittel wird dies nicht gehen, da Kosovo nicht Mitglied der Währungsunion ist und über keinen Einfluss auf die Geldpolitik der EZB verfügt. Die angestrebten Privatisierungen können die sozioökonomische Lage des Landes durch kurzfristigen Kapitalzufluss nicht lösen, es werden wohl eher in Zukunft neue Probleme geschaffen.

Wenn Kosovo sich als unabhängiger und souveräner Staat behaupten will, dann muss auch schnellstmöglich eine Währung für die kosovarische Volkswirtschaft geschaffen werden, andernfalls drohen dem Land durch die steigende Armut zukünftig soziale Unruhen.

 

Kommentar geschrieben von A. Beqiri

 

 

 

 

 

Kommentare 

 
#1 Dardan T, 2010-03-10 19:46 Guter Beitrag.. dem kann man sich nur anschließen! Zitieren
 
 
#2 Arnis 2010-03-10 19:57 Es ist für das Geld der Bevölkerung unverantwortlic h eine neue Währung für das Kosovo zu erstellen und die auch zu verwalten, da den wenigen Menschen in Kosovo einfach das nötige Wissen und die nötige Erfahrung fehlt um unabhängig von einflussreichen Politikern das Geld der Kosovaren zu verwalten. Zitieren
 
 
#3 Arnis 2010-03-10 19:59 Kosovo hat sowieso als mittel- bis langfristiges Ziel in die EU beizutreten und logischerweise auch Mitglied in der EZB zu werden, weshalb wollen wir für eine relativ kurzfristige Zeit so viele Mühen in eine kleine und schwache Währung einzustecken, die von anderen Staaten evtl. beeinflusst könnte. Zitieren
 
 
#4 Arnis 2010-03-10 20:01 Das Vertrauen in die eigene Währung wird niemals gewonnen werden könnte. Alle größere Bezahlungen und Ersparnisse werden in altbewerten gemacht (früher D-Mark) heute Euro.
Viele Geldüberweisung en in Millionenhöhe von der alb. Diaspora geschehen noch in Euro.
Zitieren
 
 
#5 Arnis 2010-03-10 20:04 Der Kosovo braucht eine gesunde starke und stabile Währung (wie es für den aktuell der Euro ist, trotz ihrem relativ schlechten Ruf von Unwissenden). Kosovo braucht keine eigene Währung, die evtl. in der Weltwirtschaft nicht akzeptiert wird, und unnötige Transferkosten und Umwandlungskost en. Zitieren
 
 
#6 Arnis 2010-03-10 20:06 Eine Kosovo Währung würde von anderen Ländern stark abgewertet werden, da die Politiker aus dem Kosovo die Geldmenge stetig erhöhen würden um jedes Jahr optisch höhere Löhne ausgegeben zu können, doch auf dem Weltmarkt bleibt die Kaufkraft die gleiche, in meinen Augen ein gewaltiger Fehler. Zitieren
 
 
#7 Arnis 2010-03-10 20:09 Die eigene Wirtschaft würde alles andere als geholfen und gefördert werden. Es entstehen nur unnötige Umtauschkosten, die Währungskurse könnten nicht vorhersehbar sein und die Wirtschaft würde sich scheuen mit dem Kosovo langfristige Geschäfte zu machen, oder gar dort zu investieren. Zitieren
 
 
#8 Verfasser 2010-03-10 20:55 @arnis: komisch nur, dass alle EU-Staaten die nicht in der Währungsunion sind ein eigenes monetäres System haben, und diejenigen welche den Euro benutzen sind Mitglied der EZB. Ihre Kritik bezieht sich nicht auf den Artikel. Zitieren
 
 
#9 Verfasser 2010-03-10 20:55 Die Implementierung einer Währung könnte mit Hilfe des IWF stattfinden. Wie erwähnt liegt das Problem darin nicht souverän zu sein. Es gibt wesentlich unstabilere Staaten die eine eigene Währung haben als KS. Zitieren
 
 
#10 Shqiptari 2010-03-10 21:07 Hier sieht man, dass der Koloniestatus weiterhin besteht. Nur der Kolonialist mit der Währung Euro ist ein anderer.
Die Ungerechtigkeit von 1913 mit der Londoner Konferenz hat bis heute negative Auswirkungen auf das albanische Volk. Damit muss endlich schluss sein. Der Lek ist unsere Währung!
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