| Die Vertreibung der Albaner |
| Geschrieben von: Besart Podrimaj |
| Dienstag, den 05. Januar 2010 um 15:27 Uhr |
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"Die Aussiedlung der Albaner" lauete der Titel einer, von Vasa Čubrilović niedergeschriebenen Denkschrift zur geplanten Vertreibung der Albaner aus dem Kosovo. Diese Denkschrift kursierte schon im Jahre 1937 in den Belgrader "Kulturclubs" und Regierungskreisen und wurde schnell als Grundlage der serbischen Kosovo-Politik angenommen. Vasa Čubrilović war einer der Verschwörer des Attentats auf den österreichischen Kronprinzen Franz-Ferdinand in Sarajewo und später ein einflussreicher Politiker und "Gelehrter" im königlichen und kommunistischen Jugoslawien, der unter Tito auch als Minister diente. An der Formulierung dieses Manifestes nahmen aber auch zahlreiche namhafte serbische Intellektuelle teil, darunter der Schriftsteller und spätere Literaturnobelpreisträger Ivo Andrić. Somit besaß der serbische Staat mit der Čubrilović-Denkschrift bereits vor Beginn des Zweiten Weltkrieges und der von den Nazis unter dem zynischen Schlagwort angestrebten "Endlösung der Judenfrage", ein euphemistisch formulierten, bis ins letzte Detail konzipierten Plan zur Vertreibung und Vernichtung der Albaner aus ihren angestammten Siedlungsgebieten. Čubrilović forderte in seiner Denkschrift, die lange Zeit für die Öffentlichkeit in den Archiven Belgrads und anderen balkanischen Hauptstädten unentdeckt blieb, mit der gleichen Härte und Brutalität vorzugehen, wie bei der Vertreibung und Ermordung von hundertausenden Albanern aus dem Sandschak (untere Verwaltungseinheit im osmanischen Reich) von Nisch (Niš), das zum Wilajet Kosovo gehörte und überwiegend von Albanern besiedelt wurde. Nach dem Abschluss des Vertrages von San Stefano, infolgedessen der russisch-türkische Krieg von 1877-78 endete und Serbien mit der Ausbreitung seines Territoriums die Unabhängigkeit erlangte, vertrieb und ermordete die serbische Armee aus dem Sandschak von Nisch hundertausende Albaner, indem es ganze Städte und Dörfer niederbrannte. Jene Familienväter, die sich weigerten zu gehen, wurden in ihren Häusern oder Stallungen eingesperrt und samt ihren Familien und Vieh bei lebendigem Leibe verbrannt. Diejenigen die geblieben waren und überlebt hatten, mussten sich assimilieren. Mit der gleichen Methode jener Jahre von 1878-79 auf den Sandschak von Nisch, ging die serbische Armee letztendlich auch bei ihrer Eroberung des kosovarischen Kernlandes im Jahre 1913 vor. Sie eroberte das restliche Wilajet von Kosovo und begannen mit der systematischen Einschüchterung und Vertreibung der Albaner. Allein in Prishtina und um Prishtina herum wurden mit dem Einfall der serbisch-königlichen Armee über fünftausend Albaner, überwiegend Kinder, Frauen, Greise und unbewaffnete Männer, ermordet. Wenn man bedenkt, dass Prishtina zu jener Zeit ein kleines Dorf war und nicht mehr als achttausend Einwohner hatte, so war die Zahl der Ermordeten in und um Prishtina enorm hoch. In detaillierter und erschütternder Weise geben die vielen Berichte, Zeitungsartikel, Klage- und Anklageschriften aus jener Zeit die Situation wieder, die der Österreicher, Leo Freundlich, in einem kleinen Buch mit dem Titel "Albaniens Golgatha" zusammengetragen hatte. Wie schon festgestellt, fehlte es in Serbien nie an konkreten Plänen und Durchsetzungswillen zur Schaffung eines ethnisch reinen Großserbiens. So setzte die serbische Besatzungsmacht von 1918 bis 1941 im Kosovo einen Kolonialisierungsplan um, der als Doktorarbeit von Milovan Obradović verfasst wurde und den Titel "Agrarreform und Kolonisierung im Kosovo" trug. In dieser Zeit wurden hundertausende kosovoalbanische Bauern und Großgrundbesitzer enteignet, mehrere Zehntausende von ihnen ermordet und über zweihunderttausend Albaner (rund 1/3 der albanischen Gesamtbevölkerung im damaligen Jugoslawien) aus den albanischen Siedlungsgebieten im königlichen Jugoslawien in die Einöde der anatolischen Türkei vertrieben. Eine organisierte Vertreibung, an der auch der türkische Staat maßgeblich partizipierte. Unter der kommunistischen Diktatur Titos, wurden unter der Leitung des damaligen serbischen Innenministers, Aleksandar Ranković, im Zeitraum von 1945 bis 1966, also bis zu seiner Entmachtung durch Tito, mehr als fünfzigtausend Albaner bei großangelegten "Säuberungsaktionen" ermordet und hunderttausende nach Albanien oder in die Türkei vertrieben - die zweite organisierte Vertreibungswelle der Albaner nach 1913 bis 1941. Damit setzt Belgrad wiederholt in gewohnter Manier und Methodik, einzelne Punkte der Vertreibungspolitik aus der Čubrilović-Denkschrift um. Jedoch nicht mit dem vorgesehenen Ziel, nämlich die vollständige Säuberung der Gebiete, die mehrheitlich von Albanern bewohnt wurden. Die Politik des Milošević-Regimes, das unter anderem ihre Grundlagen aus einem, von der serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste in dem Jahre 1986 verfassten Memorandum über Serbien und die Serben im sozialistischen Jugoslawien schöpfte, war somit die Kontinuität einer gewaltsamen Politik gegenüber dem Kosovo, die ihre Wurzeln bis ins frühste 19. Jahrhundert hat.
Lesen Sie den zweiten Teil der Dokumentation über die Vertreibung der Albaner, die sich mit der Frage beschäftigt, ob und in welcher Form die heutige serbische Führung die Pläne ihrer Vorgänger zur Vertreibung der Albaner fortführt. Nachfolgend stellen wir weiteren Lesestoff zur Verfügung.
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Kommentare
libra e Milovan Obradovicit duhet patjeter te perkthehet ne gjuhen gjermane ose anglishte.
Ne qofte se e keni libren e Milovanit ne gjuhen shqipe, ju lutem lajmerohuni.
hansruedi17
ju pershendes, urime vitin e ri Zitieren
Bsp: 355 serbische Familien wurden zwischen 1918 - 1941 um das Gebiet Prishtina eingesiedelt Zitieren
Noch eine Info:
von den insgesamt 3 Kolonialwellen, erfolgte die letzte während den Bosnien und Kroatienkriege, Serbien hat die Flüchtlinge aus Bosnien und Kroatien in den Kosovo eingesiedelt, Bsp. die gewaltigen \"Wihnblöcke\" beim Bussbahnhof in Gjilan, der ganze Viertel war für Serben vorgesehen. Das Interessante daran ist, dass Milosevic Tatsächlich ein Preis von der EU dafür bekommen hat, die nannten es damals \"unbewohntes Gebiet leben eingehaucht\". Zitieren
Sicherlich erregen mich solche Lektüren auch ungemein.
Aber:
Zu einer guten Politik gehört eben mehr, als nur Autos von UN und EULEX umzukippen.
Ich würde mich über ein bisschen mehr konstruktive Kritik von Vetvendosje freuen. Aber vielleicht wäre es am besten für alle Kosovoaren, wenn Vetvendosje sich zur nächsten Wahl aufstellen lässt; selbsterklärend , wenn dabei ein lupenreiner politischer Plan für Kosovo das Argument für eine Wahl sein sollte:) Zitieren