Über uns | Support ORA! | Nutzungsbedingungen | Kontakt / Impressum | Werben Sie auf ORA!
logo


Die Vertreibung der Albaner damals und heute
Mittwoch, den 06. Januar 2010 um 18:50 Uhr

Dies ist der zweite Teil unserer Dokumentation, die sich mit der Frage beschäftigt, ob und in welcher Form die heutige serbische Führung die Pläne ihrer Vorgänger zur Vertreibung der Albaner fortführt.

 

----------------------------

 

Geschrieben von Besart Podrimaj

 

Der chauvinistisch-rassistische Geist gegen alles Albanische herrscht auch heute, neun Jahre nach der Entmachtung von Milošević, in weiten Teilen der aktuellen serbischen Regierungsführung an. Auch wenn er sich nun unter den gegebenen Umständen flexibler und wandlungsfähiger zeigen muss und sich in Verbalattacken, diplomatischen Auseinandersetzungen, Provokationen oder Boykotte gegen den Kosovo und alles Albanische manifestiert.


So war die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos am 17. Februar 2008 für Belgrad keine große Überraschung, man hatte sich Monate vorher schon darauf eingestellt. Doch konnte die Antwort darauf nicht mit der althergebrachten und gewohnten serbischen Härte und Brutalität geschehen, wie etwa 1991, als die Albaner den Kosovo nach einer breit angelegten Volksabstimmung mit über 80% der Stimmen für unabhängig erklärten.  

Nordkosovo und die Herausforderung der Rückkehr von Nicht-Serben  


Nach Beendigung des Kosovo-Krieges und dem Einmarsch der befreienden Nato-Truppen im Jahre 1999, flüchteten aus dem südlichen Kosovo mehrere zehntausend Serben, gemeinsam mit den serbischen Sicherheitskräften. Sie flüchteten in den nördlichen Teil der Stadt Mitrovica und des Kosovos, sich davor fürchtend, dass sich die zuvor vertriebenen Kosovo-Albaner an ihnen rächen könnte.

Jene Serben, die mit ihrer Armee Tage und Monate zuvor aufs schlimmste im Kosovo gewütet hatten, verschanzten sich im nördlichen Teil der Stadt und des Landes und waren dank der Hilfe aus Belgrad im Stande, die Rückkehr der dort ansässigen Kosovo-Albaner und anderen Nicht-Serben, wie Bosniaken oder Sinti und Roma, zu verhindern.  

Ein Mob aus Bewaffneten serbischen Männern, die sich die "Brückenwächter" nannten und die unter der Leitung des aktuellen Staatssekretärs Oliver Ivanović standen, griffen die Nicht-Serben tätlich an, welche die Brücke über den Fluss Ibër in Richtung ihrer angestammten Wohnorte überqueren wollten.

Die damalige verantwortliche Verwaltungsmacht der Vereinten Nationen (UNMIK) war nicht gewillt, diesen Entwicklungen und Umständen Einhalt zu gebieten. Jene internationale Verwaltung entschied sich für eine Beschwichtigungspolitik, die die Belgrader Regierung dahingehend bestärkte, über das gesamte Gebiet des Kosovo eine Parallelverwaltung zu errichten und aufrechtzuerhalten. Diese hat sich als einziges Ziel gesetzt, die Sicherheitslage im Lande unter starker Spannung zu halten, die dann je nach Interessenlage der Machthaber in Belgrad, zur Explosion gebracht werden könnte.

Erst nach zehn Jahren konnte ein sehr kleiner Teil der Kosovo-Albaner und anderen nichtserbischen Minderheiten wieder zurück in ihre angestammten Wohnorte zurückkehren, um ihre zerstörten Häuser wieder aufzubauen. Dies ging nur unter starkem Polizeischutz der europäischen Kosovo-Mission, EULEX, und der örtlichen Polizeikräfte. Sie mussten den serbischen Mob unter Tränengas und Körpereinsatz zurückhalten, der sich tagtäglich vor den Orten und Vierteln versammlte, in denen Albaner, Bosniaken, Sinti und Roma lebten, um deren Rückkehr zu verhindern. Nur eine starke Polizeipräsenz vor diesen Ortschaften ermöglicht heute eine relative Sicherheit für diese nichtserbischen Rückkehrer.   

 
Bis heute bleibt eine nachhaltige Rückkehr der albanischen und nichtserbischen Bevölkerung des Kosovo in dem nördlichen Teil des Landes aus. Eine Rückkehr scheitert letzlich nicht nur an der Bereitschaft, der von Belgrad unterstützten Parallelstrukturen und deren "Sicherheitskräften", sondern auch an der Bereitschaft des kosovarischen Staates, gleich wie jene Rückkehr der Serben im Südkosovo, die Rückkehr in den Norden langfristig zu organisieren und finanziell zu unterstützen. Ferner bleibt zu erwähnen, dass Prishtina seine Autorität nicht vollständig über den nördlichen Teil seines Staatsgebietes ausüben kann, weil jene Parallelstrukturen dieses vehement zu verhindern wissen, was eine breite und nachhaltige Rückkehrpolitik stark erschwert.  

Die stille Vertreibung aus dem Presheva-Tal 


In den drei zu Serbien gehörenden Großgemeinden Bujanovce, Medvegje und Presheva, die regional als Prescheva-Tal bezeichnet werden und am Westen des Kosovos angrenzen, leben schätzungsweise zwischen achtzig bis einhundert tausend Albaner.       

Nach der Beendigung des bewaffneten Konfliktes 2001, gestand Belgrad, unter großem Druck der internationalen Staatengemeinschaft, den Albanern eine Reihe von Minderheitenrechte zu. Doch die wirkliche Umsetzung jener Minderheitenrechte für die Albaner in Prescheva-Tal bleibt ein Anspruch, der zu verwirklichen gilt. Belgrad setzt alles daran, den Albanern aus dieser Region das Leben so unerträglich und schwer wie möglich zu machen.  

Durch angebliche Terrorakte, denen willkürliche Durchsuchungen und Verhaftungen durch die serbische Polizeikräfte folgen und durch massive verwaltungsbehördliche Diskriminierung, versucht der serbische Staat den Albanern das Leben in diesen Gemeinden zu erschweren.

Wie auch das von Belgrad errichtete Apartheid-Regime im Kosovo in den neunziger Jahren, versucht Belgrad heute das albanische Schulsystem im Presheva-Tal zu zerstören. Abschlusszeugnisse von Universitätsabsolventen und angehenden Lehrern, die an der Universität Prishtina oder an anderen Universitäten ihren Abschluss gemacht haben, werden von den serbischen Behörden nicht anerkannt.

So bleibt die Versorgung mit neuen Lehrkräften für die albanischen Schulen in dieser Region aus. Den Albanern werden systematisch fundamentale Bürger- wie auch Menschenrechte verweigert. Als einzigen Ausweg aus dieser Misere, sehen viele albanische Familien die Flucht ins wirtschaftlich sehr arme Kosovo.

Entgegen allen Äußerungen und Beteuerungen der sogenannten pro-europäischen Regierung in Belgrad, dass sich Serbien nicht militärisch gegen die Unabhängigkeit des Kosovo wehren wird, ließ der serbische Staat auf dem Territorium der Gemeinde Bujanovce und nur wenige Kilometer von der Grenze zum Kosovo entfernt, die größte Militärbasis Serbiens erbauen. Sie wurde am 23. November vom serbischen Präsidenten feierlich eröffnet. Bei der Eröffnung beteuerte der serbische Präsident Tadic, dass Serbien zwei Ziele hätte: Die Integration in die Europäische Union und die Wahrung der Souveränität über "ihre serbische Provinz" Kosovo.  

Sowohl Prishtina, als auch die politischen Vertreter der Albaner im Prescheva-Tal, sehen die Errichtung dieser Militärbasis als direkte Provokation gegen die im Prescheva-Tal lebenden Albaner und der Republik Kosovo und somit einen weiteren Beitrag Serbiens zur Destabilisierung der gesamten Region. Ferner betrachten die Albaner die Errichtung der Militärbasis als eine Okkupation des Prescheva-Tals und Gefährdung der weiter schwindenden Sicherheit in dieser Region.

 

 

Kommentare 

 
#1 AfrimO 2010-01-06 22:39 In deutschland gibt es den Bund der Vertriebenen und im Kosovo gibt es ...!!! Zitieren
 
 
#2 bujari 2010-01-07 00:04 Solange wir nicht einen funktionierende n Staat haben, werden uns die Slaven immer unterdrücken, die Albaner können nur auf dem Balkan überleben, wenn sie 1 zu 1 den Plan der Isrealitten übernehmen und da spielen finde ich die Auslandsalbaner eine große Rolle, Zitieren
 
 
#3 ajazaj 2010-01-07 00:14 Echt guter bericht, aber solche Berichte sollten nicht nur auf albanischen Seiten zusehen sein, die sollten Weltweit, auf Blick, CNN, ect. erscheinen. Zitieren
 
 
#4 stan73 2010-01-07 10:22 @ajazaj,

genau- ich stimme dir zu, das wir solche Berichte auch in \'nicht-albanischen\' Medien wiederfinden müssen.

Das Problem, was wir Albaner haben ist, das wir uns in der Diaspora zu wenig in die Politik des jeweiligen Landes und zu wenig in den Medien etabliert haben. Ich möchte nicht sagen, das wir dort nicht vertreten sind.

Welche Albanerin/Albaner könnte in der Diaspora dem Kosovo am Meisten nutzen?
Die/Der jenige, der in der breiten Masse des jeweiligen Landes Gehör findet, also z.B. eine Berichterstatte rin oder auch ein Regional- oder Bundespolitiker .

Wir fühlen uns aber in unseren \'neuen Heimaten\' vermutlich nicht heimisch genug, um an der öffentlichen Arbeit teilzunehmen.

Das Absurde ist doch, das wir unsere Heimat Kosovo und unsere Nationalität verlassen müssen, um dem Kosovo besser zu helfen. Also mehr für Deutschland, Frankreich, Schweiz tun, damit die jeweiligen Einheimischen uns kennen. Erst dann können wir unsere Aussage Massenwirksam unters Volk bringen.

Siehe Isreal: In den USA leben viele jüdische Amerikaner, die sich auch als Amerikaner fühlen, aber eine sehr starke Pro-Israelische Lobby in den USA haben. Das kommt Israel seit mehr als 50 Jahren zugute.

So etwas müssen wir auch erreichen. Das geht aber nur dann, wenn wir Albaner in den Medien eher mit politischen Reden, als mit \'versuchter Vergewaltigung\ ' oder Bahnhofsschläge reien erscheinen.
Wobei der letzte Satz lediglich unsere Medienwirksamke it und nicht unsere kriminellen Tendezen darstellt.
Zitieren
 
 
#5 Trim 2010-01-07 13:20 Schaut die Realität heute an:

Albaner dürfen nicht in ihrer Heimat im Norden und sie werden permenant von Serbien bedroht,die serbische orthodoxe Kirche hat noch letztes Jahr eine Terroreinheit mit dem Namen Lazar gegründet, in Presheva stehen die Albaner unter permanenten Diskriminierung , in Mazedonien sieht es nicht anders aus, dort erhalten \"Mazedonen\" Kindergeld und die albaner nicht, Mutter Theresa wird zur Slawin gemacht und alle albanischen Elemente werden aus der öffentlich gelöscht, Strassennamen illyrisch-dardanische Ausgrabungen, einfach alles.

Selbst in Albanien versucht Griechenland permanent einzugreifen, es betreibt unter den Griechen Propaganda welches das albanische Staatsgebiet in Frage stellt, das arvanitische ist eine am austerben bedrohte Sprache, aber Griecheland (EULand) verbietet die SPrache immernoch,immer noch hat Griechenland als einziges EU Land die Minderheitenrec hte nicht ratifiziert, die Qamen wurden immer noch nicht entschädigt und immernoch behauptet Griechenland dass die Qamen nicht vertrieben wurden.

Die Albaner müssen einfach verstehen, dass nur eine Vereinigung ihr jahrtausend altes authochthones Volk retten kan, die Albaner lebten schon vor den Griechen auf dem Balkan, sie waren nie irgendwo anders, die Albaner haben eine enorm prächtige Kultur die man bewahren muss.
Zitieren
 
 
#6 Trim 2010-01-07 13:20 Und die Albaner im Ausland müssen verstehen, dass nur Bildung ihnen und ihrem Volk hilft. Zitieren
 
 
#7 ALBA 2010-01-07 16:43 ein kompaktes vereintes albanien ist die lösung...nur so hätten wir die stärke unseren brüdern in mazedonien, griechenland, serbien und mont. ihre rechte zu garantieren...auch die einmischung griechenlands müsste man energicher bekämpfen, mit einer neuen albanischen generation an politikern gehts Zitieren
 
 
#8 Enlirat Hoxha 2010-01-07 18:05 Wir müssen lernen mit einer Stimme zu sprechen! Als Einheit,sind wir unbesiegbar!!!

Israel ist ein gutes Beispiel, ausser dass sie aus ihrer Leidensgeschich te nichts gelernt haben und heute die Palästinenser unterdrücken!!
Back to Zion !!
Zitieren
 
 
#9 Zürich 2010-01-07 18:58 ich in sehr froh das es sollche leute gibt wie ihr die auch deutsch komentiern. und das sehr intelekutuel. respekt. hat eine riesiges einfluss auch bei den anderen websit wie z.b. nzz hab ich jetzt ein komentar gelesen von diell ducati. Zitieren
 
 
#10 bujari 2010-01-07 23:46 ich finde die Albaner müssen sich in Europa besser organiesieren eine Loby wie in den USA wäre angebracht in deutschland leben geschätzt 400000 Albaner wen man ein Zentralrat hätte wie es die Juden haben dan könte man auch in der Deutschen Politik ein wenig einfluss haben Zitieren
 

Kommentar schreiben

Ora-Online ist nicht dazu verpflichtet, Ihre Kommentare zu veröffentlichen. Insbesondere rassistische, beleidigende oder sonstige abstössige Kommentare werden nicht veröffentlicht. Ora-Online übernimmt keinerlei Verwantwortung für den Inhalt der Kommentare.
Als registrierter Benutzer ist die Länge Ihres Kommentares nicht mehr eingeschränkt.
Über nachfolgenden Link, können Sie sich anmelden:

Registrieren

Bild
Albanien - Mit offenen Augen durch die Welt!
Albanien - Mit offenen Augen durch die Welt! Der komplette Reisebegleiter für Individualisten...
Weiterlesen...
Bild
KOSOVO - eine Fotoreise
Von Susanne Dell - Dieses Buch stellt Kosovo als Reiseland vor - allen Vorurteilen zum Trotz....
Weiterlesen...
News image

Albanien: Platz 1 im Urlaubs-Check

Albanien gewann mit Saranda - der kleinen aber feinen Stadt am Strand mit kristallklarem Wasser - den ersten Platz im Urlaubs-Check der zwei deutschen U... mehr...

Banner
Banner
Banner
Banner
Banner

Neuste Kommentare

Copyright © 2010 by ora-online.ch.