| Ibrahim Rugova: Ein ganzes Leben für ein unabhängiges Kosovo |
| Geschrieben von: Iliria Berisha |
| Donnerstag, den 21. Januar 2010 um 20:03 Uhr |
|
Rugova setzte sich für einen gewaltfreien Widerstand ein und verfolgte dabei kompromisslos die Unabhängigkeit des Kosovo. Dies brachte ihn den Namen "Ghandi des Balkans" ein. Auf die serbische Unterdrückung im Kosovo, antwortete Rugova mit einem parallelen Verwaltungs- Bildungs- und Gesundheitssystem. "Wenn wir an den Schulen nicht in unserer albanischen Muttersprache unterrichten können, dann gründen wir eben unsere eigenen Schule", sagte Rugova.
Ibrahim Rugova wuchs bei seiner Mutter als Einzelkind auf. Sein Vater und Grossvater wurden von den serbischen Partisanen wegen angeblicher Nazi-Kollaboration hingerichtet.
Rugova studierte Philosophie und Literatur an der Universität Prishtina. Später setzte er sein Studium in Paris fort. Rugova war Präsident des kosovarischen Schriftstellerverbandes, Mitbegründer und Vorsitzender der "Demokratischen Liga des Kosovo" LDK.
Unter der Leitung von Rugova erklärte sich der Kosovo im Jahre 1990 zum ersten Mal für unabhängig. Belgrad schickte seine Panzer nach Prishtina, um die demokratisch gewählte Führung der Albaner aus dem Parlament zu vertreiben. Der Westen schaute zu.
Als sich die serbischen Menschenrechtsverletzungen an den Albaner häuften, wurde Rugova von seinen eigenen Leuten zunehmend wegen seinem passiven Widerstand kritisiert. Rugova erklärte daraufhin: "Die Kräfteverhältnisse sind derzeit so, dass ein bewaffneter Kampf zu schlimmsten Massakern an den Albaner führen kann". Rugova sollte Recht behalten. Am 6. März 1998 kam der legendäre Kommandant und Mitbegründer der "Kosovo Befreiungs Armee" UÇK, Adem Jashari, bei einem serbischen Angriff, zusammen mit 56 Familienmitgliedern, darunter Frauen, Alte und Kinder, ums Leben.
Rugova gründete ein Verteidigungsministerium, an dessen Spitze er Ahmet Krasniqi beförderte. Unter ihm standen gut ausgebildete Kommandanten. Viele von ihnen hatten ihre militärische Ausbildung in der jugoslawischen Armee absolviert und kannten die Stärken und Schwächen ihrer zukünftigen Feinde bis aufs Detail. Ihr Ziel: Solche Massaker wie der an der Familie Jashari in Prekaz sollten sich nie mehr wiederholen.
Sali Çeku, genauso wie sein treuer Begleiter, Agim Ramadani, respektierten die einzig legitimen, mit über 80% der Stimmen gewählten, demokratischen Institutionen des Kosovo unter Ibrahim Rugova. Es ist ihrer professionellen und institutionellen Kriegsführung zu verdanken, dass man die "Schlacht in Koshare", in der es ihnen gelang, die Grenze zwischen Albanien und dem Kosovo zu durchbrechen, als Sieg in der albanischen Geschichte erwähnt.
Auf der anderen Seite stachen während des Krieges immer mehr selbsternannte "Kommandanten", ohne jegliche militärische Erfahrungen hervor, dessen einzige Strategie es war, Anschläge auf serbische Polizisten zu verüben, doch waren sie nachher nicht im Stande, die Zivilbevölkerung vor den nachfolgenden Massakern zu beschützen. Sie verachteten die demokratisch gewählten Institutionen der Republik Kosova von Ibrahim Rugova und versuchten mit ihrer kommunistischen Ideologie das Bild der UÇK im Westen zu verfälschen. So salutierten sie mit der Faust wie ihr ideologischer Mentor, der ehemalige kommunistische Diktator Albaniens, Enver Hoxha.
Es ist selbsterklärend, dass nicht dieser Teil der UÇK dazu beigetragen hat, dass das transatlantische Verteidigungsbündnis der NATO, zur Alliierten der Albaner wurde. Heute geben sich diese Altkommunisten als Demokraten aus und betreiben Geschichtsfälschung. Dies gilt es energisch zu bekämpfen.
Sie verfügten nämlich weder über eine richtige militärische Angriffsstrategie, noch über eine Verteidigungsstrategie zum Schutz der Zivilbevölkerung. Sie hatten keine militärische Hierarchie. So kam es nicht selten vor, dass sich in 36 Dörfern, 72 selbsternannte Kommandanten gebildet haben. Unter ihnen standen wiederum nur drei oder vier Soldaten. Es bleibt die Aufgabe der heutigen Historiker im Kosovo, das Versagen dieser "Kommandanten" nachzuzeichnen, denn nur aus ihren Fehlern kann man für die Zukunft lernen.
Später griff die Nato in den Konflikt ein und rettete die albanische Zivilbevölkerung vor weiteren Massakern und Vertreibungen durch die serbische Armee. Es wurden bis dahin bis zur Hälfte der albanischen Bevölkerung aus dem Kosovo in die Nachbarländer, Albanien und Mazedonien, vertrieben. Dass sich die Nato demonstrativ auf die Seite der Albaner stellte, ist massgeblich Ibrahim Rugova zu verdanken.
![]() Ibrahim Rugova war im Westen ein angesehener Politiker. Er pflegte die Freundschaften zu den politischen und militärischen Entscheidungsführern im Westen und es ist kein Zufall, dass der ehemalige US-Präsident, Bill Clinton, in seiner Rede bei seinem letzten Besuch im unabhängigen Kosovo, als erstes, seine Treffen mit Ibrahim Rugova erwähnte.
Rugova selber stand während dem Krieg unter serbischer Geiselnahme. Man zwang ihn Händeschüttelnd mit dem wegen Kriegsverbrechen angeklagten, ehemaligen serbischen Präsidenten, Slobodan Milosevic, vor die Kameras. Seine politischen Kontrahenten verwendeten dieses Treffen für ihre eigenen stalinistisch, geprägten Propagandazwecke. Doch ihr eigentliches Ziel, das sie schon während dem Krieg verfolgten, nämlich einen Putsch gegen Ibrahim Rugova, sollte sich als totaler Fehlschlag erweisen. Ibrahim Rugova gewann nach dem Krieg erneut die Wahlen mit eindeutiger Mehrheit. Während dieser Zeit kamen immer mehr albanische Intellektuelle und Politiker aus den Reihen der LDK durch Attentate ums Leben. Schon während des Krieges gab es diese Attentate, wie etwa die Ermordung des damaligen Verteidigungsministers, Ahmet Krasniqi, in Tirana. Keiner der Täter wurde bis jetzt zur Rechenschaft gezogen. Die Aufklärung dieser Attentate bleibt eines der grössten Herausforderungen der Justiz im unabhängigen Kosovo.
Rugovas Philosophie war nicht die Konfrontation, gleichzeitig beschönigte er die Probleme in seinem Land nicht. Dies brachte ihn das Vertrauen der Mehrheit eines Volkes, das in Armut und politischer Unterdrückung lebte. Heute ist dieses Vertrauen verschwunden. Das Volk ist jetzt zwar frei, aber immer noch arm und wenn man die Bevölkerung mit falschen Versprechen vom wirtschaftlichen Aufschwung hinters Licht zu führen versucht, rächt es sich, in dem es beim nächsten Mal nicht mehr zu den Wahlen geht und einem eine Wahlbeteiligung von unter 50% beschert.
Rugova war ein Stratege. Seine Strategie war es, die Kosovo-Frage zu internationalisieren. Den Westen sah er schon immer als den einzigen Alliierten der Albaner an. Schon Jahre bevor der Krieg ausbrach, plante Rugova im Kosovo eine internationale Verwaltungs- und Verteidigungsmission zu installieren. Er wusste: Nur so kann er seine eigene Bevölkerung vor den serbischen Übergriffen beschützen, während er auf der anderen Seite, auch um seine undemokratischen, politischen Kontrahenten wusste.
![]()
Rugova war ein Visionär und Diplomat. Die unter dem derzeitigen albanischen Ministerpräsident, Sali Berisha, gebaute Autobahn, die Albanien mit dem Kosovo verbindet, war Teil von Rugovas Vision. Weiter sollte der Kosovo auch durch einen eigenen Hafen in Albanien einen Meeresanschluss erhalten. Auch diese Vision ist heute Realität.
Wie kein anderer verstand es Rugova, den Wunsch nach Unabhängigkeit seines albanischen Volkes zu artikulieren. "Es ist der Wunsch unseres Volkes nach Freiheit und Unabhängigkeit und diesen Wunsch kann niemand ignorieren", erklärte Rugova. Auf die provozierende Frage eines Journalisten, ob er ein Grossalbanien anstrebe, erklärte Rugova im Hinblick auf die existierenden Republiken in Jugoslawien: "Wir fordern die Gleichstellung mit allen anderen Völkern in Jugoslawien."
Als Rugova am 21. Januar 2006 starb, gingen die Menschen in Massen auf die Strassen. Sie standen in Schlangen, warteten in eisiger Kälte und erwiesen ihrem verstorbenen Präsidenten die letzte Ehre.
![]()
Ibrahim Rugova erhielt bei seiner Beerdigung alle militärischen Ehrungen, selbst der KFOR-Kommandant war anwesend. Auch reisten viele internationale hohe Politiker und Diplomaten in den Kosovo um an der Beerdigung teilzunehmen, wie etwa die Schweizer Bundesrätin, Micheline Calmy-Rey, der ehemalige EU-Generalsekretär, Javier Solana, und der albanische Ministerpräsident und Freund von Rugova, Sali Berisha.
![]()
Die Anerkennung des Kosovo als unabhängigen Staat durch die Schweiz ist massgeblich auf die Freundschaft zwischen Micheline Calmy-Rey und Ibrahim Rugova zurück zu führen.
Es bleibt die Aufgabe von Rugovas Nachfolger, diese Freundschaften mit dem Westen zu pflegen, in dem sie aus Rugovas Philosophie lernen.
|
Neuste Artikel
Neuste Artikel
- Video des Tages: Këngë për Ibrahim Rugovën
- Honduras erkennt die Unabhängigkeit des Kosovo an
- Der Verzicht Enver Hoxhas auf das Kosovo - Teil III
- Der Verzicht Enver Hoxhas auf das Kosovo - Teil I
- Der Verzicht Enver Hoxhas auf das Kosovo - Teil II
- Der Kosovo fügt Serbien eine schwere Niederlage auf dem Amselfeld zu
- Serbien lehnt Resolutions-Vorschlag der EU ab
Meistgelesen
Meistgelesen
Meistkommentiert
Meistkommentiert
- Tadic und die Vergangenheitsbewältigung Serbiens (97)
- Athen: Lehrerin wegen Albanisch im Unterricht angeklagt (86)
- Ibrahim Rugova: Ein ganzes Leben für ein unabhängiges Kosovo (72)
- "Bosnien soll die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen" (64)
- Sejdiu-Medwedew: "Das Rad der Geschichte kann man nicht zurückdrehen" (56)
- Haben die Kosovaren den Kosovo erobert? (56)
- Ashton: Die Zukunft des Kosovo liegt in der EU (54)

Albanien - Mit offenen Augen durch die Welt! Der komplette Reisebegleiter für Individualisten...
Weiterlesen...

Von Susanne Dell - Dieses Buch stellt Kosovo als Reiseland vor - allen Vorurteilen zum Trotz....
Weiterlesen...
Zweite Meinung
-
Weblinks
-
Tony Blair hat in Pristina viele kleine Namensvetter (582)
WELT ONLINE -
Altstädte von Berat und Gjirokastra in Albanien (406)
WELT ONLINE -
Ruinenstadt Butrint in Albanien (362)
WELT ONLINE -
Kritik an EULEX im Kosovo (425)
NZZ ONLINE -
Galerius-Palast in Gamzigrad (Romuliana) im Kosovo (984)
WELT ONLINE -
Schüler bringen Krankenbetten in den Kosovo (1034)
Schwäbische Zeitung -
Serbien soll sich mit Verlust Kosovos abfinden (2403)
NZZ -
"Serbien vergeudet nur Zeit" (646)
derstandard.at -
Mönche gehen sich an die Kutte (674)
TAZ.de
-
Tony Blair hat in Pristina viele kleine Namensvetter (582)
Neuste Kommentare
Neuste Kommentare
- Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
...tja, dann hat es sich wohl ausge-69-igt !!! HI ... Mehr...
Von: Edi - Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
-danke honduras!!!..... danke das ihr euch für die... Mehr...
Von: aufklärer - Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
Tja.. und das Nummer 69 ist mir irgendwie sympathi... Mehr...
Von: Diell - Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
Stimmt genau, Europa ist in manchen Sachen zu sehr... Mehr...
Von: EU - Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
Die EU muss mit der USA den Ton ändern und Serbien... Mehr...
Von: Europa - Die organisierte Kriminalität in Serbien
Serbien ist ein Künstler im verpacken, verschönern... Mehr...
Von: Arnis
![]() Albanien: Platz 1 im Urlaubs-CheckAlbanien gewann mit Saranda - der kleinen aber feinen Stadt am Strand mit kristallklarem Wasser - den ersten Platz im Urlaubs-Check der zwei deutschen U... mehr... |
Neuste Artikel
- Video des Tages: Këngë për Ibrahim Rugovën
- Honduras erkennt die Unabhängigkeit des Kosovo an
- Der Verzicht Enver Hoxhas auf das Kosovo - Teil III
- Der Verzicht Enver Hoxhas auf das Kosovo - Teil I
- Der Verzicht Enver Hoxhas auf das Kosovo - Teil II
- Der Kosovo fügt Serbien eine schwere Niederlage auf dem Amselfeld zu
- Serbien lehnt Resolutions-Vorschlag der EU ab
Meistgelesen
Meistkommentiert
- Tadic und die Vergangenheitsbewältigung Serbiens (97)
- Athen: Lehrerin wegen Albanisch im Unterricht angeklagt (86)
- Ibrahim Rugova: Ein ganzes Leben für ein unabhängiges Kosovo (72)
- "Bosnien soll die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen" (64)
- Sejdiu-Medwedew: "Das Rad der Geschichte kann man nicht zurückdrehen" (56)
- Haben die Kosovaren den Kosovo erobert? (56)
- Ashton: Die Zukunft des Kosovo liegt in der EU (54)
-
Weblinks
-
Tony Blair hat in Pristina viele kleine Namensvetter (582)
WELT ONLINE -
Altstädte von Berat und Gjirokastra in Albanien (406)
WELT ONLINE -
Ruinenstadt Butrint in Albanien (362)
WELT ONLINE -
Kritik an EULEX im Kosovo (425)
NZZ ONLINE -
Galerius-Palast in Gamzigrad (Romuliana) im Kosovo (984)
WELT ONLINE -
Schüler bringen Krankenbetten in den Kosovo (1034)
Schwäbische Zeitung -
Serbien soll sich mit Verlust Kosovos abfinden (2403)
NZZ -
"Serbien vergeudet nur Zeit" (646)
derstandard.at -
Mönche gehen sich an die Kutte (674)
TAZ.de
-
Tony Blair hat in Pristina viele kleine Namensvetter (582)
Neuste Kommentare
- Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
...tja, dann hat es sich wohl ausge-69-igt !!! HI ... Mehr...
Von: Edi - Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
-danke honduras!!!..... danke das ihr euch für die... Mehr...
Von: aufklärer - Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
Tja.. und das Nummer 69 ist mir irgendwie sympathi... Mehr...
Von: Diell - Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
Stimmt genau, Europa ist in manchen Sachen zu sehr... Mehr...
Von: EU - Honduras erkennt die Unabhängigkeit des ...
Die EU muss mit der USA den Ton ändern und Serbien... Mehr...
Von: Europa - Die organisierte Kriminalität in Serbien
Serbien ist ein Künstler im verpacken, verschönern... Mehr...
Von: Arnis
Copyright © 2010 by ora-online.ch.

Heute ist der vierjährige Todestag des kosovarischen Präsidenten, Dr. Ibrahim Rugova. Rugova starb im Jahre 2006 an seiner Lungenkrebs Erkrankung.
Auch wenn viele heute das Gegenteil behaupten, Rugova kannte Adem Jashari. Nach dem Krieg ehrte er ihn als Nationalhelden. Sali Çeku, engster Freund von Adem Jashari, belieferte Adem Jashari und weitere Kämpfer aus Drenica, wie etwa die "Sieben Brüder Geci", mit Waffen und Munition. Die Waffen gelangten über den Norden Albaniens in die Dukagjini-Ebene. Von da aus wurden sie an weiteren Orten im Kosovo weiter verteilt. Dies beweist die damalige treue Freundschaft zwischen den Bewohnern dieser beiden Regionen, Dukagjini und Drenica. Heute erzählen sich politische Analphabeten im Kosovo, ohne historisches Wissen, etwas anderes.









Kommentare
Ohne Rugova wären wir immernoch ein Bestandteil Serbiens. Die ganzen Pdk-Parasiten haben die Lohrbeeren von Rugova geerntet Zitieren
Kurz gesagt, er wollte ein neues Volk schaffen. Den Kosovaren! Zufälligerweise wird dieser heute gerade von den Internationalen geformt. Wir sind Albaner und keine Kosovaren! Zitieren
Rugovas tendenzen waren ganz andere. Du brauchst nur auf die Flagge zu schauen, die das Parlament unter der Führung der PDK verabschiedet hat und die Flagge die Rugova vorgeschlagen hat, welche Flagge hat wohl mehr albanische Elemente?! Rugova war viel albanischer, als ihr postkommunisten es je sein werdet. Zitieren